R. C. SmithOld Stories in German

Applaus

Audio gelesen von RC (1:47)

Der Applaus und die begeisterten Rufe des Publikums waren jetzt auch durch die dick gepolsterte Türe zu hören, die auf die Bühne führte. Ich blickte kurz auf den Bildschirm, den das Mädchen nicht sehen konnte. „Es ist zu Ende“, sagte ich, „in zehn Minuten bist du dran“. Ich beobachtete die Angst in ihrem Gesicht, sie war sehr blass, ihre Augen blickten starr in Richtung der Türe, an mir vorbei. „In einer Stunde hast du es überstanden“, sagte ich. Es hatte keinen Sinn, sie damit zu quälen, dass die Bühnenarbeiter erwarteten, die eine oder andere nach der Vorstellung noch lebend zu bekommen. In ihren Augen standen jetzt Tränen. „Er hat nicht viel Erfahrung“, sagte ich. Ich konnte nicht viel für sie tun. „Nimm dich zusammen, nicht zu schreien. Sie wollen dich schreien hören, und er macht dann vielleicht einen Fehler, und es ist schneller vorbei.“ Wenn sie sich daran hielt, konnte sie vielleicht eine viertel Stunde gewinnen, vielleicht sogar mehr. „Die meisten schreien zuviel, weil sie glauben, das genügt den Leuten, aber das nützt nichts.“ Ihr Gesicht zeigte keine Reaktion, ich war nicht sicher, ob sie mir zugehört hatte, vielleicht verstand sie auch unsere Sprache nicht. Zwei Bühnenarbeiter kamen, und banden sie los. „Noch fünf Minuten“, sagte ich.

Applause

The applause and the enthusiastic shouts of the audience could now be heard through the thickly padded door that led onto the stage. I glanced at the screen, which the girl could not see. “It is over,” I said. “Ten minutes now, then it is your turn.” I observed the fear on her face. She was very pale, her eyes looking past me, straight ahead, fixed at the door. “In one hour you’ll have made it,” I said. There was no point in tormenting her with the knowledge that the stagehands expected to have some of the girls for themselves, still alive, after the performance. There were tears in her eyes now. “He isn’t very experienced,” I said; there wasn’t much I could do for her. “Do what you can, not to scream. They want to hear you scream, and maybe he makes a mistake then, and it is over more quickly.” If she stuck to it, she might gain a quarter of an hour, or maybe even more. “Most of them scream too much, because they think this makes the audience happy enough, but this doesn’t work.” Her face showed no reaction, I wasn’t sure if my words had even registered. Maybe she didn’t understand our language. Two stagehands came in, and untied her. “Another five minutes,” I said.

(ca. 1975, minor edits and translation 08/2022)

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